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  • Hintergrundbild 1: Das IGfB-Team © angelicajaud.com
  • Hintergrundbild 2: Beratungsgespräch © angelicajaud.com
  • Hintergrundbild 3: Beratungsgespräch © angelicajaud.com
  • Hintergrundbild 4: Workshop © angelicajaud.com
  • Hintergrundbild 5: Beratungsgespräch © angelicajaud.com
Drei Frauen und ein Mann sitzen im Kreis. Ihre Körperhaltung ist entspannt, sie sind in ein Gespräch vertieft und lachen.

Mit diesem kleinen Glossar geben wir einen Einblick in die fachlichen Hintergründe unserer Arbeit

Beziehungsorientierung umfasst drei Dimensionen:

A) Die Beziehung zu sich selbst,
B) die Beziehung der Fachperson zur Klient:in und
C) die Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Gruppe bzw. innerhalb des Klientensystems (z. B. Familiensystems).

In diesem Ansatz wird nicht die einzelne Person als krank/dysfunktional angesehen, sondern die Beziehung, die durch ihre Dysfunktionalität Leiden, schwierige Verhaltensweisen und Not bei den Betroffenen auslöst. Dieser Fokus auf die Beziehung eröffnet alternative Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten und will die persönlichen (intrapersonellen) Ressourcen mit den zwischenmenschlichen (interpersonellen) Ressourcen des jeweiligen Systems verbinden.

Beziehungsorientierte Prozesse sind sehr intensiv und fordern Familien, Paare und Gruppen häufig heraus. Durch die professionelle Begleitung haben sie Fachleute an ihrer Seite, die sich mit dem dysfunktionalen Beziehungssystem in Beziehung setzen, auf die Interaktionen im Hier und Jetzt einwirken und neue Interaktionsmuster entdecken lassen. Dieser Ansatz kombiniert Aspekte des interpersonellen Zugangs (Tomm 2014), dem Mentalisierungskonzept von Fonagy (2004) und der Bindungstheorie (vgl. auch Brisch 2013).

Erfahrensbasierter/experientieller Zugang: Durch das Erleben im Hier und Jetzt wird Raum geschaffen, in dem Muster durch neue gemeinsame Erfahrungen aktualisiert werden können. Durch Offenheit, das empathische Einlassen auf die Klient:in bzw. das Klientensystem und die Qualität des unmittelbaren Kontaktes wird bewusst Raum für Jetzt-Momente (Stern 2005) geschaffen.
Diese finden nicht nur zwischen Therapeut:in/Berater:in und Klient:in statt, sondern auch zwischen den an der Interaktion beteiligten Personen. Wenn durch persönlichen Kontakt diese Begegnungsmomente zu „moments of meeting“ werden, entwickeln sich neue Denk- und Handlungsmuster (vgl. Davis 2015). In der persönlichen Begegnungsqualität spielt auch das Einbringen des „Felt Sense“ (Gendlin, 2002) eine wesentliche Rolle.

Achtsamkeit: bewusstes Wahrnehmen von Empfindungen, Gedanken und Prozessen stärkt das innere Selbst in seiner Gesamtheit. Die Grundlage unseres Achtsamkeitszuganges ist das Pentagramm-Modell von Jes Bertelsen und Helle Jensen (Jensen, 2014)

Empathie: Wir verstehen Empathie als grundlegende offene mitfühlende Einstellung dem anderen gegenüber sowie als innere Bereitschaft, Empfindungen anderer aufzunehmen und sich davon berühren zu lassen. Dieser offene empathische Raum ist die Basis für emotionale Sicherheit, für Vertrauensbildung und damit auch persönliche Veränderung und Entwicklung. Damit das aber einerseits nicht zu einem emotionalen Burnout und andererseits nicht zu „übergriffigem“ Helfen führt, braucht es ein Mitfühlen ohne Mitleiden (vgl. Tania Singer 2013) aber auch ohne Distanz der Interpretation oder Deutung.

Praxisnähe: Die Anwendbarkeit im persönlichen beruflichen Umfeld wird durch Erlebbarkeit der angebotenen Inhalte und Methoden im Hier und Jetzt und durch einen sehr engen Bezug zu den individuellen Realitätsbezügen der TeilnehmerInnen gewährleistet.

Emotionsfokussiert: Gefühle sind Gradmesser und Indikatoren für bedeutsame Entwicklungen und Schmerzpunkte. Sie spielen aber auch eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion und Organisation des Selbst (Greenberg, 2014). Wir begleiten im geschützten Kontext des Family Counseling tiefgreifende emotionale Prozesse.

Gleichwürdig auf Augenhöhe: Die asymmetrische Beziehung zwischen Berater:in/Therapeut:in und Klient:in verlangt nach einer bewussten, authentischen und gleichwürdigen Begegnung auf Augenhöhe. (Juul 2019), welche die Würde und die Integrität des einzelnen achtet. „Gleichwürdigkeit zwischen Erwachsenen basiert auf dem Respekt vor Differenzen und Unterschiedlichkeit. Deshalb ist es wichtig, das Entstehen einer neuen Art Konformität zu vermeiden und Unterschiede konstruktiv einzubinden.“ (Juul & Jensen, 2019, S. 136)

Anerkennung: Verstehen wir im Sinne Løvlie Schibbyes (2011) innerer Anerkennung. Es ist eine klinische und therapeutische Haltung, die respektvoll, interessiert, fokussiert und fürsorglich ist. Es ist intersubjektiv, eine affektive Einstimmung auf den anderen und das Teilen von Gefühlen.

Interdisziplinarität: Die Zusammenarbeit und das zusammen Lernen unterschiedlicher Berufsgruppen ist inspirierend und bedeutsam für die Praxisnähe. Unterschiedliche Sichtweisen, Fragestellungen und Arbeitsweisen interagieren, bestehen nebeneinander und erzeugen so ein erhöhtes Bewusstsein für die Vielfalt der praktischen Aufgabenstellungen.

Existentiell: Die existentiellen Themen (Yalom, 2010) des Menschseins steuern oft unbewusst unser Handeln und unsere zwischenmenschlichen Bedürfnisse. Auch in der Arbeit mit Familien müssen diese Themen mit einbezogen werden. Diese Themen sind: Die Frage nach der eigenen Endlichkeit, der Herausforderung der persönlichen Freiheit/Verantwortung, die Notwendigkeit dem Leben einen Sinn zu geben und der letztlich unaufhebbaren inneren Einsamkeit/Isolation des Menschen.

Integrität-Kooperation
Mit dem Begriffspaar Integrität und Kooperation beschreibt Jesper Juul den inneren Konflikt, der jedem Menschen innewohnt. Ausgehend von der Tatsache, dass wir unsere ganze Kindheit lang auf die Zuneigung, Unterstützung und Fürsorge einer erwachsenen Bezugsperson angewiesen sind unternimmt jeder Mensch von Geburt an große Anstrengungen mit dieser Bezugsperson zu kooperieren, das heißt, all das zu tun, was wir als „im Sinne dieser Person“ intuieren.
Um zu Zugehörigkeit zu sichern, geben wir häufig unsere Integrität preis. Mit Integrität beschreibt Jesper Juul die Unversehrtheit und Übereinstimmung des Selbsterlebens mit den eigenen Werten und Gefühlen.
Wenn der innere Konflikt zwischen dem Bedürfnis zu kooperieren und dem Wahren der eigenen Integrität zu heftig wird, wenn wir zu viel von unserer Integrität zu Gunsten der Kooperation aufgeben, ist das sehr schmerzhaft und führt zu Wut, Aggressivität und einem auffälligen Verhalten, mit dem wir diese innere Zerrissenheit ausagieren.


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