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Handy mit Social Media Apps Photo by Pixabay from Pexels

Mein Telefon klingelt. Eine neue Nachricht im Familienchat. Schon wieder ein Link zu einem Video.

Ich habe die Videos so satt. Nicht die lustigen. Sondern diese Videos, die vorgeben, zu erklären, was wirklich hinter den Kulissen vor sich geht. Die vorgeben, die Antworten zu kennen, oder vor Dingen zu warnen, die noch kommen werden.

Ich möchte sie ignorieren, wie schon viele Videos davor. Aber meine Neugierde siegt. Vielleicht hat dieses Video doch etwas Gutes oder Neues zu sagen.

Ich klicke und schaue.

Ich habe mich geirrt.

Schon wieder.

Es ist ein weiteres Video, das behauptet, die Wahrheit hinter der US-Wahl zu kennen, Politiker werden aller Arten von Geheimbünden beschuldigt, mit dem Teufel paktiert, Trump als Retter und Biden als Kinderschänder. Ein weiteres Qanon-Video. Argh!

Das ist zu viel für mich!

Es macht mich so wütend! Wie kann sich jemand diesen Unsinn ansehen? Wie oder warum wollen sie es teilen? Haben sie keine Selbstachtung?

Ich schreibe eine vernichtende Antwort. Bin bereit, in einen kompromisslosen Konflikt zu gehen! Aber kurz bevor ich auf Senden drücke, schaffe ich es, mich für einen Moment zurückzuhalten... gerade lange genug, um noch einmal zu überlegen, ob es hilfreich ist... gerade lange genug, um dann doch zu entscheiden, die Nachricht später zu senden. Vielleicht mit etwas weniger Aggression.

Eine Pandemie des Misstrauens

Verschwörungstheorien gibt es seit Jahrhunderten. Sie nehmen tendenziell zu, wenn Unsicherheit, Angst und Frustration groß sind. In den 1920er Jahren kursierten zum Beispiel Theorien, dass die Spanische Grippe durch das in Deutschland hergestellte Aspirin verbreitet wurde. Es schien eine einfache Antwort auf ein komplexes Problem zu sein und machte sogar Sinn, denn damals waren die Deutschen die „Bösen“.

Da die gegenwärtige Situation eine der extremsten ist, die viele von uns in ihrem Leben erlebt haben, schafft sie einen fruchtbaren Boden für alle möglichen Theorien zur Erklärung der Ereignisse. Von denen, die berechtigte Bedenken aufwerfen, bis hin zu extremen Verschwörungstheorien. Jede Erklärung scheint besser zu sein als keine. Und es ist nicht nur Corona. Die globale Erwärmung, die Wahlen in den USA, Impfungen - all das sind Themen geworden, die uns polarisieren und spalten.

Und es ist diese zweite Pandemie, das Säen von Misstrauen und Spaltung in unseren Familien, Freundschaften und Gemeinschaften, die potenziell gefährlicher ist als das Virus selbst und das Potenzial hat, das verbleibende Vertrauen zu untergraben, das wir in unsere Politiker, Institutionen und Führungsgremien haben.

Das wirkliche Problem sind Gespräche, die uns trennen

Den ganzen Tag über arbeite ich gedanklich weiter an meiner vernichtenden Nachricht. Ich erkläre, wie diese Verschwörungsvideos unsere mentalen und emotionalen Vorannahmen ausnutzen, wie sie falsche Kausalzusammenhänge schaffen und die Komplexität schwieriger Probleme mit ihren vereinfachenden "Bösewicht"-Lösungen völlig übersehen.

Und dann dämmert es mir. Mir wird klar, dass mein vernichtender Angriff nur noch mehr von dem gleichen ist. Eine andere Meinung, die behauptet, Recht zu haben. Dass das eigentliche Problem nicht das ist, worüber wir diskutieren, sondern wie wir uns begegnen und sehen. Diese "Ich habe Recht und du Unrecht"-Diskussionen sind Gespräche, die uns trennen, die polarisieren.

"Ich habe gehört, dass die Corona-Impfung ein Plan von Bill Gates ist, unsere DNA genetisch zu verändern und das Bevölkerungsproblem zu lösen".

"Warum glaubst du solchen Unsinn?".

"Du solltest nicht abtun, was ich sage. Du bist so leichtgläubig und glaubst alles, was dir die Mainstream-Medien erzählen".

"Du kannst doch nicht alles glauben, was du auf YouTube und Facebook siehst.

"Du wurdest einer Gehirnwäsche unterzogen.

"Ich!!!! Du bist so engstirnig!!"

Es sind schwarz-weiß, richtig-und-falsch Gespräche. Wir beginnen, uns gegenseitig als das Problem zu sehen. Und wir übersehen dabei, dass wir alle Menschen sind, die mit der massiven Zunahme an Komplexität und Unsicherheit zu kämpfen haben.

Wir übersehen, dass wir alle Klarheit und Gewissheit suchen. Und dass Erklärungen, so weit hergeholt sie auch erscheinen mögen, uns ein gewisses Gefühl der Sicherheit, ein gewisses Gefühl der Kontrolle oder vielleicht sogar ein gewisses Gefühl der Sinnhaftigkeit vermitteln, weil wir gegen etwas – den „Feind“ ankämpfen können..

Aber letztlich gelingt es diesen Gesprächen nicht, uns das zu geben, was wir in Zeiten der Ungewissheit so verzweifelt brauchen. Sie tragen nicht dazu bei, uns als menschliche Wesen miteinander zu verbinden. Sie stärken nicht unsere Würde.

Gespräche, die verbinden

Was wäre, wenn wir anfangen würden, Gespräche darüber zu führen, wie sich die Unsicherheit anfühlt und wie sie uns beeinflusst? Gespräche über unsere Angst und Sorge, dass Regierungen die falschen Entscheidungen treffen, über unsere Frustration über den Lock-down. Gespräche darüber, dass wir mit dem schnellen Tempo des Wandels und der Unsicherheit kämpfen und dass wir uns über soziale Ungleichheit ärgern.

Gespräche, die sich vielleicht eher so anhören...

"Ich habe gehört, dass die Corona-Impfung ein Plan von Bill Gates ist, unsere DNA genetisch zu verändern und das Bevölkerungsproblem zu lösen".

"Oh das klingt bedrohlich. Bist du unsicher, ob die Impfungen sicher sind? Oder, dass du gezwungen wirst, Impfungen zu machen".

"Ja, ich mache mir wirklich Sorgen. Es geht alles so schnell, und jeder sagt etwas anderes. Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll. Und ich bin auch sehr wütend, dass die Regierung so polizeistaatlich agiert."

"Ja, es ist ziemlich schwer, nicht wahr? Alles fühlt sich so unsicher an. Ich habe auch damit zu kämpfen... obwohl ich eigentlich weniger wütend werde und eher Angst habe, ehrlich zu sein."

Solche Gespräche, gehen tiefer. Sie verbinden, sich mit unseren Gefühlen. Es sind Gespräche, die versuchen, den anderen als Person zu sehen und zu verstehen. Gespräche, die uns letztlich ein Stückweit Sicherheit geben, nicht durch vereinfachende Schwarz-Weiß-Lösungen, sondern durch unsere Verbindung miteinander als Menschen.

Hier ein Tipp von mir: Wenn du das nächste Mal einen Link oder ein Video erhältst, das für dich befremdlich ist, nimm das Telefon in die Hand und ruf die Person an. Nimm dir das Telefon in der Hand und ruf diese Person an. Wie geht es ihr? Ist sie glücklich? Fühlt sie sich gesehen? Wie geht sie mit all der Unsicherheit um? Das alles kann man tun, statt die konträre Meinung zurückzuschießen oder die Person als verrückt abzutun.

Sieh sie als das, was sie ist – eine Person – und nicht als das, was sie teilt oder glaubt.

Und vielleicht stellen wir fest, dass wir unter der Oberfläche doch nicht so verschieden sind, dass wir alle Angst, Wut und Traurigkeit erleben. Ja, vielleicht suchen wir an verschiedenen Orten nach Antworten, aber letztlich wollen wir alle gesehen werden, uns sicher und anerkannt fühlen. Und vielleicht entdecken wir auch, dass wir uns auf der Herzensebene verbinden können und dass dieser Moment der Verbindung es ein wenig leichter macht. Leichter, mit all der Unsicherheit, Ungleichheit und dem Überlebenskampf, der uns umgibt, umzugehen.

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Am Gespräch teilnehmen...

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht, mit Menschen über die Verschwörungsvideos zu sprechen, die sie weitergeben?

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Frau und Mädchen schauen sich an und lächeln

Ein kleiner Junge sitzt im Einkaufswagen im Supermarkt und singt hingebungsvoll vor sich hin. Inmitten der maskierten und aufs Einkaufen konzentrierten Erwachsenen wirkt er wie eine Insel der Entspannung. Ich schaue ihm fasziniert zu und muss dabei lächeln. Da treffen sich unsere Blicke. In seinem Gesicht entsteht auch ein Lächeln, aber auf halbem Weg hört es auf. Wie eingefroren. Mir ist klar, dass es mit meiner Maske zu tun haben kann und ich versuche umso mehr, mit meinen Augen zu lächeln. Es gelingt mir nicht, ich gehe vorbei, der Junge hat aufgehört zu singen und schaut weg.

Ich ärgere mich über diesen Ausgang, schimpfe innerlich über die Pandemie und drifte ab in Gedanken darüber, wie kleine Kinder die Umwelt auf Dauer erleben, wenn ihre Möglichkeiten eingeschränkt werden, in Gesichtern zu lesen. Ich stehe vor einem Regal und habe den Faden bei meinem Einkauf verloren, denn eigentlich ist mein Kopf damit beschäftigt, eine Lösung für das von mir gerade bemerkte Problem zu finden. Ich muss mich daran erinnern, dass ich das gar nicht kann. Mein Wunsch zu helfen sitzt oft in der ersten Reihe.

Ich frage mich, woher der Impuls kommt, Probleme schnell zu lösen. Neulich klopfte an die Tür meines Beratungsraumes die Kosmetikerin, die ihr Studio auf demselben Gang hat. Ihr Staubsauger funktionierte nicht, ob ich mal schauen könnte. Ich hatte den Knopf schnell gefunden, sie bedankte sich, ich freute mich geholfen zu haben und weg war sie. Danach stand ich wieder allein da und dachte an den Klienten, mit dem ich kurz vorher über seine Trennung gesprochen hatte. Er hatte gesagt, dass es ein gutes Gespräch für ihn war, aber der Vergleich zum Staubsauger fiel mir halt auf.

Zum Glück gibt es viele andere, die sich auch mit dem Helfen wollen beschäftigt haben. Bei einem Vortrag der Schriftstellerin Anne Lamott hieß es: „Hör auf zu helfen! Wenn es das Problem von jemand anderem ist, dann hast du wahrscheinlich sowieso keine Lösung!“ Und der Familientherapeut Jesper Juul behauptete sogar einmal, wir hätten gar nicht das Recht zu helfen. Und dem, der sich nicht helfen lässt, kann man laut einem Sprichwort sowieso nicht helfen.

Helfen scheint also gar nicht so einfach zu sein. Selbst wenn Menschen zum Ausdruck bringen, dass sie ein Problem haben, heißt das überhaupt nicht automatisch, dass sie auch einen Rat wollen. In den meisten Fällen geht es erst mal um etwas anderes. Ich habe schon oft den irritierten Blick von Männern gesehen, wenn ihre Frauen ihnen mitteilen, dass sie gar keine Hilfe wollen, wenn es ihnen schlecht geht, sondern dass sie sich wünschen, dass man ihnen zuhört. Helfen verboten! Aber dann gibt es die Momente, in denen Menschen sich auf einmal selbst ernsthaft fragen: „Was soll ich bloß tun?“ Ich glaube inzwischen, dass es an solchen Stellen sinnvoller ist, sich in dem momentanen Dilemma etwas aufzuhalten, als möglichst schnell wieder herauszukommen.

Für manche Menschen ist es überhaupt unangenehm, am empfangenden Ende einer Hilfe zu sitzen. Vielleicht sind sie es mehr gewöhnt, auf der gebenden Seite zu sein oder es fühlt sich falsch für sie an, etwas nicht allein zu schaffen. Wenn ich jemandem helfen will, kann es auch passieren, dass ich einen hervorragenden Ratschlag besitze, ihn aber auf eine blöde Art oder zum falschen Zeitpunkt mitteile. Das nützt dann gar nichts. Es kann auch sein, dass ich mir die beste Mühe gebe und die andere Person will meine Unterstützung nicht. Dann kann Helfen-Wollen übergriffig werden. Damit das nicht geschieht, ist es wichtig, zu unterscheiden, ob meine Hilfe der anderen Person dient oder eigentlich mir selbst.

Und oft ist das, wobei ich helfen will, einfach zu groß. Zum Beispiel bei existentiellen Themen wie Tod, Trennung oder halt bei einer Pandemie. Für mich ist deshalb die Frage wichtig geworden, die die Empathieforscherin Eve Ekman Krankenschwestern in einem Hospiz gestellt hat: „Wenn du dich nicht erfolgreich fühlen kannst dadurch, dass du jemandem hilfst, gesund zu werden oder seine Probleme zu lösen, gibt es etwas anderes im Zusammensein mit der Person, was dein Sein erfolgreich machen könnte?“

Den Jungen im Einkaufswagen kann ich nicht vor den Auswirkungen der Gesichtsbedeckung schützen, aber ich werde auf jeden Fall wieder lächeln, wenn mir danach ist. Und vielleicht zeige ich das nächste Mal kurz mein ganzes Gesicht.

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Kinder und Familien in bunte Papierbooten. Foto J.Trentini

Die Schulen sind zu. Alle sind daheim.
Home-Office und Homeschooling laufen parallel.
Tag für Tag, Seite an Seite mit den Kindern in den eigenen vier Wänden.
Zerrissenheit zwischen Laptop, Telefon, aktuellen Nachrichten und Schulbüchern. So viel ist neu an dieser Situation.
Dazu kommt noch die innere und äußere Verunsicherung.
Wie lange wird es dauern? Wie schlimm wird es werden?
Was kommt danach? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz?
 
Nicht nur mein Nervensystem - auch das globale Nervensystem ist hochgefahren. Und die Kinder spüren die Anspannung, meine innere Spannung und die äußere Unsicherheit. 
 
Ich frage mich, was hilft?
Was hilft, wenn Routine und gewohnte Strukturen wegfallen?
Was brauchen wir Menschen in Zeiten der inneren und äußeren Krise?
 
Erste Gedanken kommen …
 
Wir sitzen im selben Boot
Die gewohnte Struktur ist weggebrochen, wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. So ist es. Es ist grad alles anders.
Ich bin überfordert. Meine Kinder sind überfordert. In dieser Hinsicht sitzen wir im selben Boot.  Und wenn wir im selben Boot sitzen, heißt das: „Da gehen wir gemeinsam durch!“ Wir experimentieren, lernen, scheitern, probieren und gehen weiter.
 
Tempo raus, Ansprüche runter
Wir rufen auch zu Hause den Ausnahmezustand aus.
Einfach weiterzumachen, wie bisher, würde uns alle in den Wahnsinn treiben.
Daher heißt es jetzt: Tempo raus und Ansprüche runterschrauben. Gnädiger sein, mit mir selbst und den Kindern.
 
Struktur und Orientierung finden
Was hat jetzt Priorität? Was kann warten? Was kann zur Entspannung aller beitragen? Ich lerne mir selbst und meinen Kindern Struktur und Halt zu geben. Kleine Rituale und neue Routinen. Wir gestalten unseren Morgen und unser Aufstehen neu. (Helle Jensen hat in ihrem neuen Blog eine kleine Übung hierzu.) 
 
Da sein und austauschen
Trotz unseres Jobs brauchen auch unsere Kinder unsere Präsenz und Aufmerksamkeit. Sie müssen nicht nur in einen neuen Tagesablauf reinfinden, sie brauchen auch die Möglichkeit, sich mit uns auszutauschen. Die Möglichkeit, ihre Gefühle zu ergründen, ihnen Worte zu geben und sie zu teilen. Die Informations- und Bilderflut aus den Nachrichten beschäftigen uns alle. Es tut gut, darüber zu reden. Das Schwierige, das, was uns Angst und Sorge macht, beim Namen zu nennen, es auszusprechen, aber auch das Angenehme, das Bereichernde und Beschenkende in der neuen Situation zu entdecken.
 
Teil der Gemeinschaft sein – mich zugehörig fühlen
Alle sind zu Hause. Jeden Mittag soll etwas auf den Tisch. Das kann eine Herausforderung oder eine neue Gelegenheit sein. Zum Beispiel die Gelegenheit, die Kinder miteinzubeziehen. Wer mag beim Kochen mithelfen und sich einbringen?
Kinder brauchen die Sicherheit, dass sie ein wertvoller Teil ihrer Familie sind. Die Gewissheit, dass sie ihren Platz haben und zum gemeinsamen Glück und Wohl beitragen. Das gibt Halt, das macht Freude, das tut gut.
Wir haben uns geeinigt, dass jedes Kind abwechselnd mit einem Elternteil den Kochdienst übernimmt. Und das macht Spaß. Das gemeinsame Tun verbindet, es nährt, nicht nur den Bauch, sondern auch das Gefühl, wertvoll zu sein, weil man einen Beitrag leisten kann. Diese Momente entspannen mich und machen glücklich.
 
Stopp sagen
Und wieder ein weiterer Vormittag im neuen Modus. Jeder an seinem Arbeitsplatz, jeder ist beschäftigt. Ich beantworte eine Mail. Ich möchte sie endlich abschicken. Und schon kommt die erste Frage: „Mama, wie geht das?“
Ich steh auf und erkläre es, setze mich zurück an die Arbeit, vertiefe mich in mein Schreiben, habe den Faden wieder gefunden und da kommt die nächste Frage. „Mama, ich versteh das nicht...!“
Stopp. So geht das nicht. Wie gehe ich da vor? Kaum tauche ich in meine Arbeit ein, werde ich unterbrochen. Das macht mich wahnsinnig, gereizt und genervt.
 
Für mich sorgen
Jetzt bin ich gefordert. Was brauche ich? Ich spüre nach. Was kann ich leisten und was nicht? Wo ist also meine Grenze? Wie mache ich diese sichtbar? Wie sorge ich gut für mich und meine Ruhe?
Warum ist es manchmal so schwer einfach zu sagen: „Ich kann mich jetzt gerade nicht damit beschäftigen. Ich kann mir deine offenen Fragen gerne etwas später anschauen.“
Das Kind nimmt die Antwort nach einem kurzen Dampfablassen seines Frustes recht gelassen an. Wir machen uns einen Zeitpunkt aus, wo wir die weiteren Fragen besprechen. Nummern, die zu schwer sind, kennzeichnet er mit einem Fragezeichen. Die gehen wir dann gemeinsam durch.
Eine klare Botschaft. Eine verständliche Frustration. Ein Ruhemoment. Ich habe Orientierung für mich und für meinen Sohn geschaffen.
 
Bei mir bleiben und persönliche Worte finden
Ich bin froh, dass ich die Kurve gekratzt habe und klare Worte für mich fand. Ich kenne es auch anders. Wenn mein innerer Stress zu hoch wird, dann platzt es manchmal aus mir so heraus: „Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin? Kannst du mich nicht mal für eine halbe Stunde in Ruhe lassen?“
Wenn ich das mache, kritisiere ich mein Kind, mache es für die Situation verantwortlich und gebe ihm die Schuld für meinen Frust. Dass das verletzend ist, weiß ich. Und ich kenne mich, meine Stimme, mein Verhalten wirkt dann kalt und distanziert. Und mein Kind bekommt das Gefühl, es sei fehl am Platz. Und das ist eigentlich das Schlimmste!
Ich möchte von mir reden.  Statt „du störst mich“ sage ich: „Ich möchte jetzt in Ruhe arbeiten und kümmere mich dann um deine Fragen. Kannst du solange warten?“ Jesper Juul nennt das persönliche Sprache ( siehe IGFB Blog Welchen Teil von Nein hast du nicht verstanden?).
Diese Aussage tut nicht weh. Sie ist klar. Ich bleibe zugewandt. Der Kontakt bleibt erhalten. Und mein Kind kann mich spüren und von mir lernen. Eigene Bedürfnisse haben ist ok und ich darf sie auch mitteilen. Er auch.
 
Offene Ohren und offenes Herz
Wir zeigen uns, mit dem was da ist, als die, die wir sind und finden einen gemeinsamen Weg. Dafür brauche ich offene Ohren und ein offenes Herz.
Ein Dialog entsteht. Ich nehme dich und mich und deinen und meinen Standpunkt ernst und wir schauen, was daraus entsteht.
 
So schaffen wir Schritt für Schritt die Herausforderung und der Weg entsteht im Gehen unter meinen Füßen.
Ruhe kehrt ein, jeder wird gesehen, jeder darf sich zeigen.
Und für uns Eltern fühlt es sich erfüllend an. Ganz da zu sein, gut für uns selbst und für die Atmosphäre in der Familie zu sorgen. Denn:
 
Die Luft, die Kinder einatmen, ist erfüllt von der Atmosphäre, die ihre Eltern schaffen und zu verantworten haben.  Karen Glistrup

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We at the iGfB understand counseling and family therapy as a personal and individual process, which supports individuals and family systems in their personal solutions and arouses potential for change.

In the context of accomapnying these kind of developmental processes, Meryl Streep’s words "take your broken heart and turn it into art" touched me last week.

I also try to turn my broken heart into art. Sometimes the result is artful, sometimes not. The transformation of one's own wounds, through one's own actions, is an essential impetus of many people, whether as partners, as parents, in our professions, in our voluntary commitments or in other areas.

One of the lectures that I gave this autumn was titled "Family Hurts". In preparation for this, and through the reactions of others, I was confronted with the harshness and inevitability of this fact time and time again.

Why do we do what we do?

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